Archiv für den Monat März 2013

Pictures for you

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Wie versprochen ein paar Fotos vom Schlittschuhlaufen in der Eishalle. Ist auch schon wieder fast 2 Wochen her…
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Voher sind wir in den Schneesturm unseres Lebens geraten. Sehr cool 😀20130307-172955.jpg

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Vorurteile schmelzen dahin…wie der Schnee

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Es gibt Dinge, die man nicht unbedingt erleben möchte wenn man sich weit entfernt der Heimat befindet. Dazu zählt zum Beispiel, von einem wilden sibirischen Bären auf dem Weg zur heimischen Holzhütte überrascht zu werden. Ich hoffe das war jetzt genug Ironie und ihr habt bemerkt, dass ich lediglich auf gewisse Vorurteile hinweisen wollte, die wir Mitteleuropäer gern mal gegenüber dem weiten Sibirien haben. In einer Dokumentation über nach Sibirien zurückgekehrte Russlanddeutsche bringt es ein älterer Herr auf den Punkt: „Der Westen denkt immer noch, wir leben hier wie Wilde.“

Doch neben den Ängsten vor Bären und bösen Mafiabossen, die einem in Deutschland ins Hirn geprügelt werden, gibt es noch eine Sache, die einem immer und immer wieder aufgetischt wird: „Werd bloß nicht krank! Die medizinischen Standards dort sind sicherlich totaaaaal schlecht. Wenn du dort krank wirst, kann dir niemand helfen und du musst elendig im kalten Schneesturm sterben.“ Ok, das war jetzt ein bisschen übertrieben, aber so ist es leider. Nur kann man sich nicht immer aussuchen wann der Körper streiken möchte. Ich vertrete mit fast schon übertriebener Überzeugung die Ansicht, dass es in solchen Dingen weiter hilft, wenn man positiv denkt und sich nicht so viele Gedanken um Krankheiten macht. Doch auch dafür war es ab Donnerstag leider zu spät:

Alles begann mit meinem mittlerweile verhassten „Science of Law“ Kurs. Ich war aus unterschiedlichen Gründen leicht angenervt: Ich hatte nichts gefrühstückt, der dozierende Lehrkörper redete etwa 35 Minuten in russischer Sprache unverständlichen Kram über das russische Strafrecht und dann war die Show auch schon wieder vorbei. 35 Minuten! Meine Güte und dafür quäle ich mich den 4. Tag in Folge so früh aus dem Bett! Danach ging es mit der Marschrutka zum Bahnhof, wo Tickets für unseren geplanten Ausflug nach Nowosibirsk (drittgrößte Stadt Russlands, größte Stadt Sibiriens, Reisezeitraum: 08.-10.03.) gekauft werden wollten. Mit den, wie Supermarktquittungen aussehenden, Tickets, ging es dann weiter in das Shopping-Center „Smile City“. Der Weg dorthin wurde zu Fuß zurück gelegt, was mir meine Lungen absolut nicht danken wollten. Bei jedem Atemzug ein fieser Schmerz und gelegentliches Husten waren die Folge. Nun sollten aber passende Klamotten für die nächste Party-Klub-Discothek-Whatever Veranstaltung ausgemacht werden. Für mich war die Suche eigentlich von Beginn an nicht erfolgsversprechend: Die russischen Mädels sind einfach zu dünn. Wahrscheinlich muss ich mal einen Übergrößenladen aufsuchen :-D. Aber auch die anderen Mädels wurden nicht fündig. Irgendwann ging es dann wieder nach Hause. Am Abend wollte ich unbedingt mit zum Lasertag spielen. Zum Einen um es mal zu testen, zum Anderen aber auch, um dem im Anmarsch befindlichen Lagerkoller vorzubeugen. Dieser Lasertag stellte sich aber als merkwürdige Sache heraus: Man rennt mit einer Laserpistole und einer leuchtenden Weste in einem dunklen Raum durch die Gegend und versucht, die Spieler der anderen Mannschaft zu treffen. Die Jungs fahren voll drauf ab. Aber ich stand häufig einfach nur in der Gegend herum und dachte „Wozu dieser Quatsch?“. Danach musste es natürlich noch ein Bier in der Krüger-Bar sein. Nach ungefähr 50 ml Bier, die sich durch meine Kehle den Weg in meinen Magen gebahnt hatten, war es dann soweit. Ich spürte es sofort: FIEBER! Im ersten Moment denkt man ja: Ich bilde mir das nur ein. Wahrscheinlich ist es einfach nur warm hier. Aber ich habe gefroren und regelrecht Schüttelfrost bekommen. Allein nach Hause wollte ich dann auch nicht, also hieß es warten, bis die anderen gehen wollten. Zu Hause angekommen zeigt das Thermometer dann tatsächlich eine ziemlich hohe Temperatur an. Gut, denkt man sich. Ab ins Bett und morgen ist es vorbei. Das hätte fast geklappt. Am nächsten Tag ging es mir wesentlich besser. Doch am Abend ging es wieder los. Fast 40 Fieber, ich konnte kaum noch klar denken, bin aufgewacht und dachte ich wäre zu Hause. Am Samstag morgen ging das Fieber dann nicht mehr runter und blieb bei um die 40 Grad. So unangenehm es war: „Es musste ein Arzt her, oder ich zu ihm.“ Alle Versuche, die werten Mitinsassen dieses Wohnheims nach ihren bereits gemachten Erfahrungen des russischen medizinischen Systems zu befragen, schlugen fehl (Samstag Morgen = Rausch von gestern Nacht ausschlafen. Dem Wodkagott sei Dank). Also wurde unsere Ansprechpartnerin vom International Office der Uni von meinen lieben „Mitdeutschen“ kontaktiert und sie rief dann die Ambulanz. Außerdem war Natascha, mein Buddy, zum dem Zeitpunkt schon hier und hat uns informiert, dass man am Wochenende nicht mal eben einfach so in Russland in ein Krankenhaus marschieren kann. Wenn es etwas ernsthaftes ist, dann ruft man die Ambulanz (entspricht bei uns dem Notarzt). In mir kamen Zweifel auf: „Ist es wirklich so schlimm, dass ich einen NOTARZT brauche?“ Aber gut, es war ja nichts zu machen, das Fieber war kaum auszuhalten. Es dauerte auch nur etwa eine Stunde bis der Herr dann in meinem Zimmerchen war. Ab da an fand ich alles einfach nur noch aufregend und regelrecht lustig: Er hatte einen grellorangen Arztkoffer dabei, indem sich eine Unzahl an Ampullen und Utensilien befand. Zuerst durfte ich mir ein antikes Quecksilberthermometer unter die Axel drücken (in dem Moment kam mir schon der Gedanke: Ob der das auch mal desinfiziert? Na egal), währenddessen fragte er mich über Natascha, die freundlicherweise Übersetzungsdienste leistete, was ich denn noch hätte außer Fieber, welche Medikamente ich bereits genommen hätte und so weiter. Er schaute mir mit Hilfe eines Holzstäbchen in den Rachen und ich durfte „AAAAhhhh“ sagen. „Sie müssen auf ihre Zähne aufpassen.“ Aha. Das ist aber gerade mein geringstes Problem, dachte ich. Vielleicht war er verwirrt ob der Tatsache, dass ich statt Goldfüllungen wie in Russland üblich, wie Kaugummi anmutendes Zeugs in meinen Zähnen habe. Nach dem kleinen Schreck durfte ich mich dann weiter nackig machen und er hörte meine Lunge ab. Was er dazu gesagt hat, konnte ich nicht verstehen. War vielleicht auch besser so. Sein Blick auf das Thermometer war dann aber echt der Hammer: Die Augen wurden auf einmal groß und sagten etwas aus im Sinne von „Nicht gut.“ Dann durfte ich mich noch weiter frei machen und bekam eine dicke Spritze verpasst, nach der ich angeblich super hätte schlafen sollen. Ich bin aber der Meinung, er hat mir irgendwas nervenstimulierendes gegeben, denn danach fand ich einfach alles nur noch lustig. Auf einem weißen Schmierzettel notierte er meine Medikamentenliste, schrieb sich meine Passnummer auf und zog von dannen. Ich hatte kurze Zeit tatsächlich überlegt, ihn nach einem gemeinsamen Foto zu fragen, aber das erschien mir in meiner Position als Kranke dann doch etwas zu dreist.

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Meine kleine russische Hausapotheke. Es fehlen drei Tees. Links: Das Rezept

Trotz der ausbleibenden schlafbringenden Wirkung der Spritze, ging es mir doch schon am gestrigen Abend sehr viel besser und das Fieber sank langsam. Das Antibiotikum zeigt also seine Wirkung und ihr seht: Sooooo schlecht, ist das System hier nicht. Das soll nicht heißen, dass ich hier ins Krankenhaus möchte oder so. Nein. Diese Erfahrung reicht mir für mein Leben. Aber ich glaube, dass unsere westlichen Vorstellungen von sibirisch russischer Medizin ein wenig zu unterirdisch sind. Und vor allem ist bei uns nicht immer alles so viel besser! Beispielsweise wollte der gute Herr keinen einzigen Rubel von mir haben. Verstanden habe ich das nicht, wo die Russen doch sonst immer so scharf auf Geld sind (Achtung: Vorurteil!).

Wer es bis hierher geschafft hat, darf sich nun noch über ein paar positive Nachrichten und Bilder freuen. Am letzten Wochenende waren wir Schlittschuhlaufen in einer überdachten Eishalle. Zuvor sind wir in den Schneesturm unseres Lebens geraten. Bilder folgen, sobald sie es zu mir geschafft haben.

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Sternenhimmel über Tomsk.

Ok, ihr habt´s gemerkt…Das ist die Decke in unserem Lift, der ziemlich häufig stecken bleibt. Wer genau hinsieht, erkennt auf welcher Etage wir uns zum Zeitpunkt der Aufnahme befanden und mit wem ich im Fahrstuhl war.

Außerdem war ich mit Lyne eines Abends am Fluss. Erst hier merkt man, dass man in Sibirien ist. PS: Den gelben Schnee sollte man wirklich weiträumig umgehen!

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Hier bin ich im Schnee eingesackt.
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Wer meine Fotos aus Kaliningrad kennt weiß: Die Russen lieben es kitschig. Und sie lieben diese Schlösser. Die hier hängen unweit von unserem Wohnheim entfernt, an einem Hochzeits-Pavillon. Im ersten Moment sah es so aus, als könnte man den nicht ohne Weiteres betreten. Doch voreilig wie ich bin, öffnete ich das Tor. Und was geschah? Ohrenbetäubender Lärm und ein Hochzeitswalzer nach dem anderen. Wir kamen gar nicht wieder aus dem Lachen heraus. Noch hunderte Meter weiter hörte man die Musik und das ging Minutenlang.

Foto 03.03.13 22 29 10Das ist unser Fluss 🙂 Glaubt ihr nicht? Doch! Links sieht man die Brücke.

Ach, und um noch einmal auf die Überschrift zurück zu kommen: Heute hatten wir Plusgrade. Der Schneefall ging in Regen über und es hat ordentlich getaut. Ab morgen soll es aber schon wieder anders aussehen.