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Hamburg – Moskau – Tomsk

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Ich bin wieder in Tomsk angekommen. Aber vorher hatte ich eine suuuuper Zeit in Moskau. Es war soooo schön. Nach 11 (!!!) Jahren habe ich Olga wieder getroffen und ihre Familie ist so lieb. Es war herrlich und ich wusste direkt warum mein Aufenthalt in Deutschland nur zwei Wochen gedauert hat. Natürlich ist es schön in Deutschland und natürlich war es schön meine Familie zu sehen, von der Traufe in Seehausen ganz zu schweigen. Aber Russland hat doch irgendwie eine beruhigende Wirkung auf mich und irgendwie fühle ich mich hier wohl. Es ist ein ganz anderes Wohlgefühl als in Spanien. Vielleicht weil ich dort nicht so viel verstehe. Vielleicht aber auch weil mir die Art und Weise der Menschen in Russland lieber ist. Spanien ist super – für den Urlaub. Das was ich jetzt hier in Tomsk habe fühlt sich aber nicht an wie Urlaub, sondern wie das Leben 😉
Was ich in Moskau so getrieben hab?

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Die beiden letzten Fotos sind wieder in Tomsk entstanden. Ich hoffe ihr könnt sehen dass ich ein bisschen braun geworden bin und der Sommer hier locker mit dem schrecklichen Auf und Ab in Deutschland mithalten kann. Rieke fliegt am Dienstag nach Hause. Dann bin ich die letzte Deutsche hier im Wohnheim…

 

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Einmal Tomsk – Berlin bitte!

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Vier Monate gingen schneller vorbei als mir lieb war.
Ich habe mein Russisch verbessert, Sibirien erkundet und eine Menge netter Menschen kennen und lieben gelernt.
Seit 10 Tagen bin ich nun wieder in Deutschland. Der vermutete Kulturschock lässt noch auf sich warten. Kaum etwas hat sich verändert, nur die Natur ist unglaublich grün. Es gibt eine neuen FünfEuroSchein und ein paar neue Songs im Radio. Darüber hinaus hat sich aber kaum etwas getan.
Mein Zimmer im Wohnheim in Tomsk musste ich vorerst komplett räumen. Viele meiner Klamotten warten bei Rieke und Christin auf meine Rückkehr am 11. Juni. Vielleicht ist es auch deshalb nicht ganz so besonders, in Deutschland zu sein – Ich weiß, dass ich Tomsk und Russland in Kürze wieder sehen werde. Darum hält sich das Abschiedsgefühl noch in Grenzen.
Bevor ich ohne sibirische Bären und alkoholisierte Russen in Berlin eingetroffen bin, waren aber knapp 6000 km Luftlinie zu überwinden.

Reiseabschnitt 1: Tomsk – Moskau

Das Taxi wurde zum Glück für mich bestellt, so dass ich mich am Tag zuvor nicht auch noch darum kümmern musste. Der Abschiedsschmerz war ja auch so schon groß genug. Also ging es mit dem Taxi um 5:30 zum Flughafen, der sich etwa 20-30 Fahrminuten entfernt befindet. Das Auto war eine olle Klapperkiste, aber sonst lief alles ganz gut. Angekommen am Fughafen, konnte ich schnell einchecken. Mein Koffer war 2,5 kg zu schwer und ich sollte dafür zusätzliche Gebühren zahlen. Aber ich hatte ja Rieke und Eilyne als Unterstützung dabei. Als ich eine Flasche Sekt zum Vorschein brachte und in einer überschwänglichen Geste an Rieke überreichte, fasste sich die Servicemitarbeiterin ein Herz und gab mir zu verstehen, dass ich die Flasche wieder in den Koffer tun könne und alles ok sei. Sie würde ein Auge zudrücken. Schön. Und wieder lernen wir: Emotionen bringen uns im Reich der Bären und Tiger schneller und effizienter ans Ziel. Nachdem ich meinen Koffer dann los war, konnte ich beinahe direkt durch die Handgepäckkontrolle laufen und hier trennten sich die Wege von Eilyne und mir nun nach 4 Monaten. Es war komisch sich zu verabschieden und zu wissen, dass sie bei meiner Rückkehr nicht mehr hier sein würde.

Ich konnte direkt zum schon begonnenen boarding gehen. Ich hatte Sitzplatz 24c. Das war dummerweise in der letzten Reihe am Gang. Genau! Da wo die Toiletten sind! Ich flog zum ersten Mal mit UTair, aber auf Grund der Innovationskonsultation in Tomsk war das Flugzeug voll mit Businessmen. Neben mir nahmen 2 Herren Platz und ich beobachtete beim Einnehmen der Sitzplätze eine komische Situation: zwei Reihen vor uns setzte sich eine Dame mit Platz Nummer 19f ebenfalls an den Gang und nicht ans Fenster. Als dann die Passagiere mit den Nummern 19d und e kamen, waren diese nach Konsultation mit der Frau einig, dass sie den Fensterplatz hätten. Ich dachte mir nichts weiter dabei, fand die Stuation aber komisch. Denn logisch wäre ja: (Fenster) a b c (Gang) d e f (Fenster). Nungut. Wir starteten pünktlich um 7 Uhr vom Tomsker Flughafen und ich hatte einen tollen Ausblick über die Stadt. Mir stand ein etwa 4,5 stündiger Flug bevor. Also versuchte ich es mir zwischen männlicher Schulter und Toilettengang so bequem wie möglich zu machen. Die Sitze konnte man leider nicht zurück klappen da wir in der letzten Reihe saßen. Die Personen vorher machten von dieser tollen Technik aber vollends Gebrauch. So eingequetscht, verschlief ich etwa 2 Stunden und wurde wieder wach, als ich nach Hühnchen oder Fleisch gefragt wurde. Ich entschied mich fürs Hühnchen, denn ich hatte Hunger und wollte nicht komplett ablehnen. Neben dem Hühnchen fand ich ein paar essbare Kartoffeln und ein trockenes Brötchen, welches diesen Namen eigentlich nicht verdient hat. Etwa eine Stunde später gab der Pilot zu verstehen, dass wir noch 50 Minuten bräuchten obwohl wir eigentlich schon in 15 Minuten in Vnukovo hätten landen sollen. Ich verstand noch was mit „Domodedevo“ und „geschlossen“ und das war's. Ich reimte mir zusammen, dass wir wahrscheinlich in Domodedevo landen würden, weil Vnukovo gesperrt wäre. Da ich aber eigentlich 6 Stunden Aufenthalt in Vnukovo bis zu meinem Weiterflug nach Berlin gehabt hätte, machte ich mir erstmal weniger Sorgen um das weitere Vorgehen. Alle Russen blieben ruhig und somit sah ich keinen Anlass zur Beunruhigung. Etwa 45 Minuten später gab der Kapitän bekannt, dass wir in 15 Minuten in Domodedevo landen würden und Vnukovo immernoch gesperrt sei. Ich fragte dann meinen Sinachbarn warum wir nicht in Vnukovo landen. Er sagte: „Wetter“. Ein Wort und nichts weiter. Und das obwohl ich in meinem besten Russisch gefragt hatte. Hilfsbereitschaft war von dem Herrn also nicht zu erwarten. Als wir landeten saßen wir schon 6 Stunden im Flugzeug. Meine Umsteigezeit schmolz dahin. Ich hatte noch etwa 4 Stunden Zeit um von Domodedevo nach Vnukovo zu kommen. Per sms Kontakt nach Tomsk konnte ich in Erfahrung bringen, dass mein Lufthansaflug normal in Vnukovo starten würde und ein Taxi nach Vnukovo 50 Euro kosten und bis zu 3 Stunden brauchen könnte, wohl aber die beste Shuttleoption wäre. Noch saß ich aber im Flugzeug. Und das noch eine ganze Weile. Nach 7 Stunden auf diesem unsäglichen Sitzplatz entließen uns um 11 Uhr Moskauer Zeit die Stewards (da war sogar der wohl erste heterosexuelle Steward den ich je getroffen habe dabei) in das Gewusel des Hauptstadtflughafens, der durch eine Reihe von Flugumleitungen völlig überfüllt war. Wir hatten auf einem sehr provisorisch anmutenden Parkplatz geparkt – wie noch etwa 5 andere Maschinen.

Reiseabschnitt 2: Moskau Domodedewo – Vnukowo

Raus aus dem Fieger, rein ins Chaos. Nirgends war jemand zu sehen, den man hätte ansprechen und fragen können, was denn nun weiter passiert. Ich hatte zwei unterschiedliche Airlines gebucht weshalb auch niemand zuständig gewesen wäre. UTair hat mich ja nach Moskau gebracht, nur eben an einen anderen Fughafen und Lufthansa konnte ja nichts für die Umleitung. Also erstmal auf den Koffer warten. Das dauerte ungefähr 45 Minuten und der Flug kam laut Lautsprecherdurchsagen und Anzeigetafel auch nicht aus Tomsk, sondern aus Novosibirsk. Scheinbar waren alle ein bisschen überfordert. Als ich meinen Kopfer dann endlich in Händen hielt, war ich ein bisschen überfordert: was jetzt? Es waren noch knapp 3 Stunden bis zum Abflug meines Fluges von Moskau Vnukovo nach Berlin. Zuerst ging ich voll bepackt zum Schalter von Lufthansa (Airline meines Weiterfluges) und fragte dort, was ich tun könnte. Man sprach etwas Englisch, konnte mir aber logischerweise nicht weiterhelfen. Man war ja nicht Schuld an der Umleitung und empfahl mir ein Taxi zu nehmen oder den Flug umzubuchen, so dass ich von Domodedevo hätte fliegen können. Das kam aber beides nicht in Frage. Also ging ich zum allgemeinen Infoschalter des Flughafens und fragte dort nach dem Servicepoint von UTair. Dort angekommen, wartete ich etwa 5 Minuten in einer Schlange um dann zu erfahren, dass die Service Mitarbeiterin kein Englisch sprach und ich mich doch an eine andere Schlange anstellen solle. Es hatte keinen Zweck danach noch auf russisch zu versuchen ihr mein Problem mitzuteilen. Es war ihr sichtlich zu kompliziert mit jemandem zu kommunizieren, der nicht perfekt russisch sprach. Also stellte ich mich brav an die nächste Schlange. Dort beschwerte sich schon lauthals ein kleiner Pulk Menschen. Ich hörte nur „Vnukovo“ und „Autobus“. Daraufhin fragte ich einen nett wirkenden Mann vor mir, ob es darum ginge einen Bus nach Vnukovo zu organisieren und ob sie auch dort hin fahren würden. Er bejahte und ab da an hielt ich mich an ihn und seine Familie. Keiner fragte nach meinem Flugticket oder meinem Pass, ich rannte einfach hinter der Gruppe her um mich dann mit ihnen in einen kleinen Bus zu quetschen, der von der Arline organisiert wurde. Es war kaum möglich sich darin zu bewegen. Ein Mann fragte den Busfahrer, wie lange wir für die Fahrt brauchen würden (scheinbar musste nicht nur ich einen Weiterflug erreichen): Wenn es Stau gäbe bräuchten wir etwa 2 Stunden. Wenn es keinen Stau gäbe könnte man es auch in einer halben Stunde schaffen. Ich hatte noch 2 Stunden und 45 Minuten bis zum Abflug meines Fluges. 40 Minuten vor Abflug schließen in der Regel die Ceck in Schalter.

Ich kam in den Genuss, einiges von Moskau zu sehen. Große Wohnhäuser, die Stadtautobahn und einen IKEA. Ansonsten war die Fahrt der reinste Horror. Ich konnte meine Kniee kaum noch spüren und ich hatte unglaublichen Hunger. Zum Glück hatte ich am Morgen noch ein fast komplettes Brot in meine Handtasche gepackt. Daran knabberte ich während der Busfahrt. Ich wurde immer nervöser, denn es stand noch nirgends etwas von Fughafen an den Schildern und ich hatte immer weniger Zeit. 40 Minuten bevor mein Flug starten sollte, hielt der kleine Bus vor dem Abflugterminal Vnukovo.

Reiseabschnitt 3: Moskau – Berlin

Koffer schnappen, durch die Sicherheitskontrolle, ab zum Check in Schalter (noch 35 Minuten) – Berlin? Ja! Den Koffer kann ich nicht mehr annehmen, sie müssen zum Sperrgepäckschalter. Ok – weiter zum Sperrgepäckschalter, Koffer abgeben, weiterrennen zur Passkontrolle – Wären sie so freundlich mich vor zu lassen? Ich bin spät dran und bei meinem Fug hat schon das boarding begonnen (noch 25 Minuten) – Gesichter die Unverständnis zeigten aber nickten, warten, warten, warten, Passkontrolle (noch knapp 20 Minuten) – zur Sicherheitskontrolle, schnell alles aufs Band, durch durch den Türrahmen – piiiiieep – Gürtel gezeigt, die Servicedame besteht drauf, dass ich ihn abnehme und noch einmal durch den Türrahmen marschiere – nochmal, alles gut – Gürtel schnappen, in die Handtasche quetschen, Handgepäckkoffer schnappen, zu Gate 31 rennen (noch 15 Minuten) – Erstaunt feststellen, dass vor Gate 31 kein Mensch wartet und auch kein Personal mehr zu finden ist, Fast Resignation, doch dann „Passagiere des Fuges xyz bitte zum Gate 29“ – zu Gate 29 rennen und feststellen, dass das Boarding noch gar nicht angefangen hat, alle stehen aber schon in einer Schlange und warten. Sich beruhigen, eine Cola kaufen, ein Croissant kaufen und essen. Boarding, einsteigen, Sitzplatz 21f, Fenster, cool, hinsetzen, geschafft.

2 Minuten später: Hey, junge Frau, sie sitzen auf meinem Platz! – Oh, Entschuldigung, aber das ist mein Platz: 21f. – Nein, f ist am Gang. – Ich glaube nicht. Schauen sie doch mal hier (Fingerzeig auf das Bildchen). – Nein, d ist immer am Fenster. — Ok, dachte ich mir, wenn der Spinner unbedingt am Fenster sitzen will und eine junge Frau von dort verjagen möchte, bitteschön. Nachdem sich auch noch eine andere Frau einmischte und meinte, d wäre immer am Fenster, sagte ich, dass es mir egal sei und räumte meinen Platz. Ich muss zugeben dass ich entgegen aller Logik ein wenig an mir selbst zweifelte.

Das Flugzeug hob mit etwa 30 Minuten Verspätung ab. Das Personal war sichtlich genervt und ich beobachtete wie ein Steward zu dem anderen sagte “ Warum kommen die anstrengenden Flüge immer zum Schluss der Schicht?“ Ich dachte mir erst nichts dabei, aber als die Russen (Ich tippe hauptsächlich Russlanddeutsche) dann loslegten wurde mir einiges klar: ungefähr jede Frau wollte ein Kissen und eine Decke, bei der Essenvergabe wollten alle Fleisch und Hühnchen ist ja bekanntlich kein Fleisch, dann wollten welche alkoholfreies Bier (???häää???) und andere komische Dinge.

Ich bekam mein Essen zuerst, denn ich hatte bei der Buchung vegetarische Ernährung angeklickt. Die Stewardess die das Sonderessen verteilte kam zu meiner Reihe und sah verstört den russischen Herren auf Platz 21 (f?) an. Dieser beachtete sie nicht weiter. Ich sagte: „Das ist bestimmt für mich“. Sie war verdutzt: „21f? Haben sie sich umgesetzt?“ Ich schüttelte den Kopf: „Nein, aber der Herr war der Überzeugung, dass f immer am Gang ist.“ Sie blickte verständnislos und sagte: „Nein, f ist der Fensterplatz.“ Der nette Herr bekam das mit und guckte ab da an nur noch grimmig durch die Gegend. Ich schwor mir, bei meinem Rückflug auf einen „f“ Platz zu bestehen und richtig Spass zu haben, falls sich wieder jemand meinen Fensterplatz erschleichen will. Ab da an war es eigentlich ziemlich lustig. Das Essen war klasse (vielleicht meinem Hunger geschuldet) und es gab deutsches Bier. Ich verkniff mir die Stewards zu fragen, ob der Stressfaktor ihrer Arbeit mit der Nationalität der Passagiere zusammenhängt. Beim Flug über Berlin sah ich dann das Sonycenter, den Fernsehturm, das rote Rathaus usw usw.

Danach lief alles ohne Probleme ab. Meine Eltern und der coolster aller Coolen haben mich abgeholt und wir sind durch das grüne Brandenburg gegurkt bis wir erst bei meiner Oma und dann zu Hause angekommen sind.

Es war ein Abenteuer, aber ich bin nicht scharf auf eine Wiederholung. 😉

Река пришла

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Angesichts besonderer Ereignisse in den letzten Tagen, hier ein aktueller Bericht aus dem auch schon einmal „Venedig Sibiriens“ getauften Studentenstädtchen am Tom:

Am Dienstag (16.04.) durften wird Zeugen eines unglaublich tollen Spektakels werden. Der Fluss wurde – wie genau ist uns bisher nicht klar – mit technischen Hilfsmittel „gesprengt“. Die teilweise noch sehr dicke Schnee- und Eisschicht sollte endlich dem Wasser platz machen. Wir wurden vorher von einigen russischen Freunden gewarnt: Der Moment müsse gefangen (gecatcht) werden, denn das Schauspiel würde nach einem Tag schon wieder vorbei sein. Also hieß es direkt nach der Uni: Beine in die Hand und ab an den Strand…ähh…Fluss. 😀

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Schon von Weitem war der Blick umwerfend! Wochenlang kannten wir nur das Bild vom glatt daliegenden Fluss, der kaum als solcher auszumachen war. Denn was den Flüssen dieser Welt eigen ist – das Fließen – fehlte hier. Das war dem vielen Eis und Schnee geschuldet. Nun wirkte es wie in der Antarktis. Eisschollen schoben sich übereinander und der Fluss war unglaublich angeschwollen. Es türmten sich Eis, Schnee, aber auch vereinzelte Holzteile. Zuerst schien der Fluss noch gar nicht zu fließen, aber nach einigen Minuten konnte man im Hintergrund leichte Bewegungen ausmachen. Viele Russen waren zum Tschechowdenkmal gepilgert um das Schauspiel ebenfalls zu betrachten und sie wirkten im Gegensatz zu sonst glücklich, ja regelrecht fröhlich. „Река пришла“ hörte man viele in ihre Handys rufen – Der Fluss kommt! 🙂

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Zwei Stunden später war sogar schon eindeutig Wasser im Hintergrund zu erkennen und am Abend war das ganze Schauspiel fast schon wieder vorbei. Nur noch vereinzelte Schollen und Eis am Rand des Flusses waren aus unseren Wohnheimsfenstern zu erkennen. Es war zwar kein richtiges Naturschauspiel, weil die menschliche Hand nachgeholfen hat, aber trotzdem unglaublich fesselnd und bewegend! Ich hätte nichts dagegen, das noch einmal mit zu erleben 🙂

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Unserer Logik nach wird das Ganze veranstaltet, um den allzu starken Anstieg des Flusswassers zu verhindern und den Abfluss des Eises zu gewährleisten bevor es schmilzt. Dieses Jahr gab es besonders viel Schnee in Tomsk und deshalb hatten wohl viele, vor allem in den Dörfern nahe des Flusses Angst, es würde zu Überflutungen kommen. Dazu gibt es hier einen kleinen Bericht für die russischkundigen unter euch. Viel Spaß damit: Паводок не раз превращал Томск в сибирскую Венецию

Vorurteile schmelzen dahin…wie der Schnee

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Es gibt Dinge, die man nicht unbedingt erleben möchte wenn man sich weit entfernt der Heimat befindet. Dazu zählt zum Beispiel, von einem wilden sibirischen Bären auf dem Weg zur heimischen Holzhütte überrascht zu werden. Ich hoffe das war jetzt genug Ironie und ihr habt bemerkt, dass ich lediglich auf gewisse Vorurteile hinweisen wollte, die wir Mitteleuropäer gern mal gegenüber dem weiten Sibirien haben. In einer Dokumentation über nach Sibirien zurückgekehrte Russlanddeutsche bringt es ein älterer Herr auf den Punkt: „Der Westen denkt immer noch, wir leben hier wie Wilde.“

Doch neben den Ängsten vor Bären und bösen Mafiabossen, die einem in Deutschland ins Hirn geprügelt werden, gibt es noch eine Sache, die einem immer und immer wieder aufgetischt wird: „Werd bloß nicht krank! Die medizinischen Standards dort sind sicherlich totaaaaal schlecht. Wenn du dort krank wirst, kann dir niemand helfen und du musst elendig im kalten Schneesturm sterben.“ Ok, das war jetzt ein bisschen übertrieben, aber so ist es leider. Nur kann man sich nicht immer aussuchen wann der Körper streiken möchte. Ich vertrete mit fast schon übertriebener Überzeugung die Ansicht, dass es in solchen Dingen weiter hilft, wenn man positiv denkt und sich nicht so viele Gedanken um Krankheiten macht. Doch auch dafür war es ab Donnerstag leider zu spät:

Alles begann mit meinem mittlerweile verhassten „Science of Law“ Kurs. Ich war aus unterschiedlichen Gründen leicht angenervt: Ich hatte nichts gefrühstückt, der dozierende Lehrkörper redete etwa 35 Minuten in russischer Sprache unverständlichen Kram über das russische Strafrecht und dann war die Show auch schon wieder vorbei. 35 Minuten! Meine Güte und dafür quäle ich mich den 4. Tag in Folge so früh aus dem Bett! Danach ging es mit der Marschrutka zum Bahnhof, wo Tickets für unseren geplanten Ausflug nach Nowosibirsk (drittgrößte Stadt Russlands, größte Stadt Sibiriens, Reisezeitraum: 08.-10.03.) gekauft werden wollten. Mit den, wie Supermarktquittungen aussehenden, Tickets, ging es dann weiter in das Shopping-Center „Smile City“. Der Weg dorthin wurde zu Fuß zurück gelegt, was mir meine Lungen absolut nicht danken wollten. Bei jedem Atemzug ein fieser Schmerz und gelegentliches Husten waren die Folge. Nun sollten aber passende Klamotten für die nächste Party-Klub-Discothek-Whatever Veranstaltung ausgemacht werden. Für mich war die Suche eigentlich von Beginn an nicht erfolgsversprechend: Die russischen Mädels sind einfach zu dünn. Wahrscheinlich muss ich mal einen Übergrößenladen aufsuchen :-D. Aber auch die anderen Mädels wurden nicht fündig. Irgendwann ging es dann wieder nach Hause. Am Abend wollte ich unbedingt mit zum Lasertag spielen. Zum Einen um es mal zu testen, zum Anderen aber auch, um dem im Anmarsch befindlichen Lagerkoller vorzubeugen. Dieser Lasertag stellte sich aber als merkwürdige Sache heraus: Man rennt mit einer Laserpistole und einer leuchtenden Weste in einem dunklen Raum durch die Gegend und versucht, die Spieler der anderen Mannschaft zu treffen. Die Jungs fahren voll drauf ab. Aber ich stand häufig einfach nur in der Gegend herum und dachte „Wozu dieser Quatsch?“. Danach musste es natürlich noch ein Bier in der Krüger-Bar sein. Nach ungefähr 50 ml Bier, die sich durch meine Kehle den Weg in meinen Magen gebahnt hatten, war es dann soweit. Ich spürte es sofort: FIEBER! Im ersten Moment denkt man ja: Ich bilde mir das nur ein. Wahrscheinlich ist es einfach nur warm hier. Aber ich habe gefroren und regelrecht Schüttelfrost bekommen. Allein nach Hause wollte ich dann auch nicht, also hieß es warten, bis die anderen gehen wollten. Zu Hause angekommen zeigt das Thermometer dann tatsächlich eine ziemlich hohe Temperatur an. Gut, denkt man sich. Ab ins Bett und morgen ist es vorbei. Das hätte fast geklappt. Am nächsten Tag ging es mir wesentlich besser. Doch am Abend ging es wieder los. Fast 40 Fieber, ich konnte kaum noch klar denken, bin aufgewacht und dachte ich wäre zu Hause. Am Samstag morgen ging das Fieber dann nicht mehr runter und blieb bei um die 40 Grad. So unangenehm es war: „Es musste ein Arzt her, oder ich zu ihm.“ Alle Versuche, die werten Mitinsassen dieses Wohnheims nach ihren bereits gemachten Erfahrungen des russischen medizinischen Systems zu befragen, schlugen fehl (Samstag Morgen = Rausch von gestern Nacht ausschlafen. Dem Wodkagott sei Dank). Also wurde unsere Ansprechpartnerin vom International Office der Uni von meinen lieben „Mitdeutschen“ kontaktiert und sie rief dann die Ambulanz. Außerdem war Natascha, mein Buddy, zum dem Zeitpunkt schon hier und hat uns informiert, dass man am Wochenende nicht mal eben einfach so in Russland in ein Krankenhaus marschieren kann. Wenn es etwas ernsthaftes ist, dann ruft man die Ambulanz (entspricht bei uns dem Notarzt). In mir kamen Zweifel auf: „Ist es wirklich so schlimm, dass ich einen NOTARZT brauche?“ Aber gut, es war ja nichts zu machen, das Fieber war kaum auszuhalten. Es dauerte auch nur etwa eine Stunde bis der Herr dann in meinem Zimmerchen war. Ab da an fand ich alles einfach nur noch aufregend und regelrecht lustig: Er hatte einen grellorangen Arztkoffer dabei, indem sich eine Unzahl an Ampullen und Utensilien befand. Zuerst durfte ich mir ein antikes Quecksilberthermometer unter die Axel drücken (in dem Moment kam mir schon der Gedanke: Ob der das auch mal desinfiziert? Na egal), währenddessen fragte er mich über Natascha, die freundlicherweise Übersetzungsdienste leistete, was ich denn noch hätte außer Fieber, welche Medikamente ich bereits genommen hätte und so weiter. Er schaute mir mit Hilfe eines Holzstäbchen in den Rachen und ich durfte „AAAAhhhh“ sagen. „Sie müssen auf ihre Zähne aufpassen.“ Aha. Das ist aber gerade mein geringstes Problem, dachte ich. Vielleicht war er verwirrt ob der Tatsache, dass ich statt Goldfüllungen wie in Russland üblich, wie Kaugummi anmutendes Zeugs in meinen Zähnen habe. Nach dem kleinen Schreck durfte ich mich dann weiter nackig machen und er hörte meine Lunge ab. Was er dazu gesagt hat, konnte ich nicht verstehen. War vielleicht auch besser so. Sein Blick auf das Thermometer war dann aber echt der Hammer: Die Augen wurden auf einmal groß und sagten etwas aus im Sinne von „Nicht gut.“ Dann durfte ich mich noch weiter frei machen und bekam eine dicke Spritze verpasst, nach der ich angeblich super hätte schlafen sollen. Ich bin aber der Meinung, er hat mir irgendwas nervenstimulierendes gegeben, denn danach fand ich einfach alles nur noch lustig. Auf einem weißen Schmierzettel notierte er meine Medikamentenliste, schrieb sich meine Passnummer auf und zog von dannen. Ich hatte kurze Zeit tatsächlich überlegt, ihn nach einem gemeinsamen Foto zu fragen, aber das erschien mir in meiner Position als Kranke dann doch etwas zu dreist.

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Meine kleine russische Hausapotheke. Es fehlen drei Tees. Links: Das Rezept

Trotz der ausbleibenden schlafbringenden Wirkung der Spritze, ging es mir doch schon am gestrigen Abend sehr viel besser und das Fieber sank langsam. Das Antibiotikum zeigt also seine Wirkung und ihr seht: Sooooo schlecht, ist das System hier nicht. Das soll nicht heißen, dass ich hier ins Krankenhaus möchte oder so. Nein. Diese Erfahrung reicht mir für mein Leben. Aber ich glaube, dass unsere westlichen Vorstellungen von sibirisch russischer Medizin ein wenig zu unterirdisch sind. Und vor allem ist bei uns nicht immer alles so viel besser! Beispielsweise wollte der gute Herr keinen einzigen Rubel von mir haben. Verstanden habe ich das nicht, wo die Russen doch sonst immer so scharf auf Geld sind (Achtung: Vorurteil!).

Wer es bis hierher geschafft hat, darf sich nun noch über ein paar positive Nachrichten und Bilder freuen. Am letzten Wochenende waren wir Schlittschuhlaufen in einer überdachten Eishalle. Zuvor sind wir in den Schneesturm unseres Lebens geraten. Bilder folgen, sobald sie es zu mir geschafft haben.

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Sternenhimmel über Tomsk.

Ok, ihr habt´s gemerkt…Das ist die Decke in unserem Lift, der ziemlich häufig stecken bleibt. Wer genau hinsieht, erkennt auf welcher Etage wir uns zum Zeitpunkt der Aufnahme befanden und mit wem ich im Fahrstuhl war.

Außerdem war ich mit Lyne eines Abends am Fluss. Erst hier merkt man, dass man in Sibirien ist. PS: Den gelben Schnee sollte man wirklich weiträumig umgehen!

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Hier bin ich im Schnee eingesackt.
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Wer meine Fotos aus Kaliningrad kennt weiß: Die Russen lieben es kitschig. Und sie lieben diese Schlösser. Die hier hängen unweit von unserem Wohnheim entfernt, an einem Hochzeits-Pavillon. Im ersten Moment sah es so aus, als könnte man den nicht ohne Weiteres betreten. Doch voreilig wie ich bin, öffnete ich das Tor. Und was geschah? Ohrenbetäubender Lärm und ein Hochzeitswalzer nach dem anderen. Wir kamen gar nicht wieder aus dem Lachen heraus. Noch hunderte Meter weiter hörte man die Musik und das ging Minutenlang.

Foto 03.03.13 22 29 10Das ist unser Fluss 🙂 Glaubt ihr nicht? Doch! Links sieht man die Brücke.

Ach, und um noch einmal auf die Überschrift zurück zu kommen: Heute hatten wir Plusgrade. Der Schneefall ging in Regen über und es hat ordentlich getaut. Ab morgen soll es aber schon wieder anders aussehen.

Grüner Tee mit Jasmin und heiße Schokolade

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Angesichts der Tatsache, dass es nicht sehr einfach werden würde sich außerhalb der eigenen vier Kühlschrankwände vegan oder ohne Süßkram zu ernähren, habe ich mich beim Fasten für eine andere Variante entschieden: Keine Limonaden und sonstige kohlensäurehaltige Süßgetränke. Das ist machbar und wahrscheinlich auch noch gesundheitsförderlich. Da man hier überall Tee bekommt und ich diesen Grünen Tee mit Jasmin oder Zitrone wirklich klasse finde, wird es mir auch nicht schwer fallen. Das Fastenbrechen zelebriere ich dann am Jahrestag meines vierteljahrhundertsten Bestehens mit meiner Ma, meiner Patentante und einer hoffentlich zu mir findenden Vitacola.

Die Uni ist jetzt so richtig in Gange und die Stundenpläne sollten sich eigentlich nicht noch einmal verändern. Ich habe 4 mal in der Woche Russisch a 90 Minuten. Von Montags bis Mittwochs findet der Unterricht ab 8.30 Uhr statt, Dienstags haben wir eine Doppelstunde. Die drei weiteren Kurse die ich belege – Recht, Geschichte, Tourismus – sind bis auf den ersten sehr interessant. In Science of Law – Recht – haben wir einen Dozenten der ganz offensichtlich nicht gern Englisch redet. Vögelchen haben mir gezwitschert, dass er für den englischen Unterricht mehr Geld bekommt und ihn deshalb anbietet. Die meiste Zeit redet er aber auf Russisch, was für mich doch recht unangenehm ist, denn die anderen im Kurs (Dolmetscherei-Studentinnen) haben das wesentlich besser drauf als ich. Mal sehen wie lang ich es noch durchhalte in den Kurs zu gehen.

Letzte Woche haben wir eine kleine Tour zu Fuß durch die Stadt unternommen. Als wir wieder zurück waren war ich überzeugt, die ersten Eisverbrennungen meines Lebens an den Oberschenkeln zu haben. Es war nicht wirklich kalt (-15) aber der Wind und etwas Graupelzeugs von Oben haben das Spazieren nicht unbedingt angenehmer gemacht. So wie ich nun mal bin, lief ich die meiste Zeit motzend und jammernd den anderen hinterher. Wir dürften insgesamt so um die 6-7 km zurückgelegt haben. Ich erspare mir jetzt, euch das ganze auf der Karte zu zeigen, aber ein paar Fotos will ich euch nicht vorenthalten:

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Caro und die Schneemassen…

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Holzhäuser – typisch für Tomsk. 

Am Wochenende haben wir es eher ruhig zugehen lassen: Da meine Swatch (Armbanduhr) leider noch in Deutschland den Geist aufgegeben hat (genauer gesagt im Hauptbahnhof von Magdeburg) und ich das ständige aufs Handy gestarre nervig finde, habe ich mir eine neue Swatch (diese hier) gekauft. Es gibt hier sogar einen richtigen Swatch Laden. Ja ich gebe es zu, bei elektronischen Geräten bin ich ein Markenjunkie! 😀 Aber das musste einfach sein und jetzt fühle ich mich viel wohler 🙂

Nach der geplanten Geldverschwendung Investition, waren wir noch auf dem Turm des historischen Museum um den Ausblick auf die Stadt zu genießen. Es war wohl unser kältester Tag bisher hier in Tomsk – das Internetz meinte gefühlte -30 Grad. Aber der Ausblick entschädigt:

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Blick auf einen Teil der Stadt, in dem viele Holzhütten zu finden sind. Angeblich werden diese zum Teil von findigen Unternehmern in Brand gesteckt um dort neue Gebäude zu bauen. Diese Information zwitscherten mir unterschiedliche Quellen zu, da es gestern ein Haus vor unserem Wohnheim erwischt hatte.
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Die weiße Fläche ist der zugefrorene und zugeschneite Fluss Tom. Die Straße links führt um den Leninplatz mit der Lenin-Statue.

Danach waren wir noch in einem ziemlich coolen Cafe mit dem tollen Namen „Travelers Coffee“, in dem ich meine geliebte heiße Schokolade essen konnte. Ja genau, wenn man hier heiße Schokolade bestellt bekommt man eine Tasse mit…heißer Couvertüre, die man dann mit einem Teelöffel isst. Der Laden muss auf jeden Fall noch einmal besucht werden um die Kuchenkreationen zu kosten probieren. Nach der Aufwärmphase ging es dann ins „Kinomir“. Dort trafen wir uns mit ein paar anderen Mädels um einen richtig schnulzigen Weiberfilm zu schauen – auf Russisch natürlich! Und man hat sogar sehr viel verstanden. Wer sich traut, guckt den Trailer, ich war auch so nett ihn euch auf deutsch einzustellen 😉

Der Kinobesuch hat nur ungefähr 4 Euro gekostet und es gab sogar Nachos und buntes sowie salziges Popcorn. Nach dem Kino haben wir noch „Durak“ gespielt – ein typisch russisches Kartenspiel bei dem niemand gewinnen kann, aber einer verliert 🙂 Gestern war dann noch eine Willkommensparty vom „Buddy Building Club“ im Zentrum für Internationale Studierende. Da gab´s dann absolut unterirdische Social Games – Spiele, bei denen man sich besser kennenlernen soll.

Weil ich schon mehrfach gefragt wurde: Nein, von dem Meteoritenabsturz haben wir hier in Tomsk nichts mitbekommen. Der Ural liegt einige Kilometer weiter westlich von uns.

Und zum Schluss noch neue kulinarische Errungenschaften: Tofu (sehr lecker und relativ günstig), Okara (Sojaüberbleibsel nach der Sojamilchproduktion. In Deutschland noch nie gesehen.), Pizzaaaaa :-D, Agar Agar (veganes Geliermittel), Zimtstangen und vieles mehr. Aber Blini schmecken trotz unveganem Ei und Tworog immer noch am besten….

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Vegan in Sibierien – Die positive Überraschung

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Nach nunmehr fast 10 Tagen kann ich sagen: Alle Befürchtungen betreffend meiner Ernährung hier in Tomsk konnten widerlegt werden. Neben frischem Obst und Gemüse – darunter sehr leckere Granatäpfel – konnte ich bereits Sojafleisch in verschiedenen Arten, Sojamilch und Tofu kaufen. Die Sojamilch (von Alpro) ist nur in einem besonderen Laden erhältlich und (Edit:12.02.: Habe heute Sojamilch in einem Minisupermarkt entdeckt. Auch von Alpro aber etwa 1/4 billiger als in dem Gesundheitsladen) kostet ungefähr doppelt so viel wie in Deutschland. Das Sojafleisch hingegen ist sehr günstig und auch in dem großen Smile-City Supermarkt zu bekommen. Der Tofu liegt immer bei den eingelegten Salaten und wird auch als Tofusalat bezeichnet. Für 100g zahlt man ungefähr 75 Cent, was super günstig ist. Da ich aber nicht so der Tofujunkie bin, werde ich mir das Zeug eher selten kaufen.

Ganz vegan ernähre ich mich hier aber natürlich nicht, das wäre kaum durchzuhalten. In Blinis ist Ei, genauso wie in Warniki wahrscheinlich Milch ist (muss ich mal in Erfahrung bringen. Edit 12.02.: Keine Milch, aber Ei). Allerdings kaufe ich genauso wie zu Hause keine Milchprodukte wie Milch, Joghurt, Fertigpudding etc. Im Grunde fühle ich mich mit diesem Kompromiss ganz gut. Außer dem serbischen Käse (ähnlich wie Feta) kommt mir auch kein Käse in den Kühlschrank. Eine weitere Ausnahme ist die Smetana – eine Art saure Sahne die man auf Wareniki und Blini tut.

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Viel mehr Probleme haben meine fleischessenden Genossinnen hier, die sich nicht so richtig an die Fleischtheken trauen bzw. keine 6 Euro für eine Wurst ausgeben wollen. Angesichts der Fleischtheke im Zentralen Marktgebäude, welches wir gestern gefunden und entdeckt haben, bin ich aber wirklich glücklich, dass mich niemand mehr penetrant zum Fleischessen bewegen will :-D. Oder anders: Ich bin froh, das nicht essen zu müssen. Es war schon ein komisches Gefühl durch diese Halle zu laufen. Vor allem das Geräusch der Axt auf den Holzklotz, als ein Mann ein halbes Schwein auseinandernahm. Ich hoffe die Atmosphäre kommt auf dem Foto einigermaßen an.

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Neben Fleisch gab es aber auch Gewürze auf dem Markt.

Leider konnte man nur wenig Obst und Gemüse kaufen. Dafür aber umso mehr Klamotten auf dem großen Platz vor der Markthalle. Hier stehen die Verkäufer den ganzen Tag in der Kälte und versuchen ihre Waren los zu werden. Lyne hat es gut zusammengefasst: „Bei der Kälte hätte ich nicht mal Lust irgendwas davon anzuprobieren…“. Der einzige Vorteil: Die Sachen dort sind schon wesentlich billiger als in den eher westlichen Läden 200 Meter weiter auf dem Leninprospekt. Es liegen zwei Welten zwischen dem schnellen und modernen Prospekt Lenina und dem nur einen Katzensprung entfernten Zentralmarkt. Dies mag auch erklären, warum uns bisher keiner der russischen Studenten sagen konnte wo der Markt ist. Sie kennen ihn wahrscheinlich gar nicht und gehen lieber in die vielen Supermärkte und kleinen Tante-Emma-Läden.

Über die Univeranstaltungen gibt es noch nicht allzu viel zu berichten, da die erste Woche doch eher eine Einführungsaktion war. Ab nächste Woche habe ich noch ein Seminar mehr: Tourismus. Das ist auch das Einzige, wo ich unbedingt eine Note und 6 ECTS (Creditpoints. Einer entspricht normalerweise 25 Stunden Arbeitsaufwand.) benötige. Der Russischunterricht ist bisher echt gut, aber auch anstrengend.

Wer es bis hierher geschafft hat kann mir bitte bitte noch bei der Entscheidung helfen, wodurch ich mein Facebookfasten dieses Jahr ersetzen kann. Auf Facebook möchte ich dieses Jahr nicht verzichten, weil mich das sowohl von vielen Leuten in Deutschland, als auch von den ganzen Leuten hier abschneiden würde. Meine Ideen: Keine Süßigkeiten (inkl. süße Blini und Wareniki & süße Getränke) oder absolut vegan (sollte machbar sein). Bitte helft mir bei der Entscheidungsfindung 🙂 Ab dem 13. Februar – Aschermittwoch – beginnt die Fastenzeit.