Река пришла

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Angesichts besonderer Ereignisse in den letzten Tagen, hier ein aktueller Bericht aus dem auch schon einmal „Venedig Sibiriens“ getauften Studentenstädtchen am Tom:

Am Dienstag (16.04.) durften wird Zeugen eines unglaublich tollen Spektakels werden. Der Fluss wurde – wie genau ist uns bisher nicht klar – mit technischen Hilfsmittel „gesprengt“. Die teilweise noch sehr dicke Schnee- und Eisschicht sollte endlich dem Wasser platz machen. Wir wurden vorher von einigen russischen Freunden gewarnt: Der Moment müsse gefangen (gecatcht) werden, denn das Schauspiel würde nach einem Tag schon wieder vorbei sein. Also hieß es direkt nach der Uni: Beine in die Hand und ab an den Strand…ähh…Fluss. 😀

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Schon von Weitem war der Blick umwerfend! Wochenlang kannten wir nur das Bild vom glatt daliegenden Fluss, der kaum als solcher auszumachen war. Denn was den Flüssen dieser Welt eigen ist – das Fließen – fehlte hier. Das war dem vielen Eis und Schnee geschuldet. Nun wirkte es wie in der Antarktis. Eisschollen schoben sich übereinander und der Fluss war unglaublich angeschwollen. Es türmten sich Eis, Schnee, aber auch vereinzelte Holzteile. Zuerst schien der Fluss noch gar nicht zu fließen, aber nach einigen Minuten konnte man im Hintergrund leichte Bewegungen ausmachen. Viele Russen waren zum Tschechowdenkmal gepilgert um das Schauspiel ebenfalls zu betrachten und sie wirkten im Gegensatz zu sonst glücklich, ja regelrecht fröhlich. „Река пришла“ hörte man viele in ihre Handys rufen – Der Fluss kommt! 🙂

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Zwei Stunden später war sogar schon eindeutig Wasser im Hintergrund zu erkennen und am Abend war das ganze Schauspiel fast schon wieder vorbei. Nur noch vereinzelte Schollen und Eis am Rand des Flusses waren aus unseren Wohnheimsfenstern zu erkennen. Es war zwar kein richtiges Naturschauspiel, weil die menschliche Hand nachgeholfen hat, aber trotzdem unglaublich fesselnd und bewegend! Ich hätte nichts dagegen, das noch einmal mit zu erleben 🙂

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Unserer Logik nach wird das Ganze veranstaltet, um den allzu starken Anstieg des Flusswassers zu verhindern und den Abfluss des Eises zu gewährleisten bevor es schmilzt. Dieses Jahr gab es besonders viel Schnee in Tomsk und deshalb hatten wohl viele, vor allem in den Dörfern nahe des Flusses Angst, es würde zu Überflutungen kommen. Dazu gibt es hier einen kleinen Bericht für die russischkundigen unter euch. Viel Spaß damit: Паводок не раз превращал Томск в сибирскую Венецию

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Mit Westbesuch zum Heiligen See – Fotos

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Erstmal ein paar Fotos…die Textmasse folgt in den nächsten Tagen.20130410-231834.jpg

Das erste Beweisfoto in Tomsk: Sie sind tatsächlich im wilden Sibirien angekommen 🙂

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Birken wirken…deshalb dieses Foto 😉 (Tag 1)

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„Geiler Scheiß!“, wie ich zu sagen pflege. Meine Ma drückt sich in der Regel etwas gewählter aus. Aber ich glaube sie fand den Ausblick auch toll… (Tag 1)

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Tag 2 in Sibirien für meine Ma und O.O. und Tag 1 in der Bahn: Ich war positiv überrascht muss ich ehrlich zugeben. Und das meine ich ganz ohne Ironie. Allerdings sind fast 30 Stunden Bahnreise echt viel. Und nach 5 Stunden begeisterte mich das Birkenwäldchen ebenso wenig wie das kleine Dorf mit Holzhäuschen…

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Lecker Tee gab es direkt nach dem Einsteigen. Die Glashalter sind sooo hübsch, aber 800 Rubel (knapp 20 Euro) waren mir für einen dann doch etwas zu viel. Heißes Wasser gab es ohne Gegenleistung (in Form von Scheinen oder Münzen) aus dem Samowar. 

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Einkaufsmeile in Irkutsk: Sehr sehr sehr sehr verstörend wirkte das ganze am Abend unserer Ankunft. Ich fühlte mich regelrecht unwohl hier, und dabei habe ich schon ganz andere Ecken in Russland gesehen… Am nächsten Tag war es dann wesentlich besser, weil eine erheblich größere Anzahl an Geschäften geöffnet hatte und viel mehr Menschen auf der Straße unterwegs waren. Eine Fußgängerzone ist allerdings schon etwas Besonderes in Russland. Das hier ist bisher die einzige, die ich gefunden habe…

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Und noch mal aus der anderen Richtung fotografiert, nachdem wir gerade die Shopping Halle von Irkutsk durchstöbert haben. Gekauft haben wir genau: Nichts 😀 Es war aber unheimlich interessant. Ungewöhnlich für das deutsche Auge und russisch eben. Aber das heißt nicht automatisch schlecht 🙂 

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Hier sieht man das Wichtigste, was es in Irkutsk zu sehen gibt. Kirche rechts, Denkmal links, Fluss (Angara, Abfluss des Baikalsee‘) und russischen Pathos. Langsam fängt das an, mir zu gefallen…

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Das war die Bahn, die uns ein Stück entlang des Baikalsee‘ geführt hat. Der Ausblick war vor allem zu beginn der Fahrt atemberaubend, da man hier noch gut die andere Küste erkennen konnte…

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Keine Selbstmordgefahr wie Anna Karenina…nur mal wieder eine fotomotivische Schnapsidee…

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Schönes neues Hintergrundbild für meinen Laptop 😀 Wird auf anfrage gern in besserer Qualität zur Verfügung gestellt.

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Beweisfoto mit meiner Ma: Wir waren tatsächlich am Baikalsee! Mit speziellem Gruß an den Pfarrer meines Vertrauens nach Kossebau 😉

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Ich wollte unbedingt mal „im“ Baikalsee schwimmen. Es hat mehr oder weniger gut geklappt.

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Tschechow in Tomsk. Davon schrieb ich schon einmal und hier haben wir ihn nun. Tschechow schrieb einst über Tomsk, sie sei eine „betrunkene Stadt“ in der „asiatische Gesetzlosigkeit“ herrsche. Als Antwort entwarf ein Künstler diesen „Anton Pawlowitsch mit den Augen eines Betrunkenen, der in einem Graben liegt.“

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Zum letzten Mal Skifahren für diesen Winter mit Christin im Akademgorodok (Tomsk). Es war traumhaft: Kaum Menschen, dafür hat sich aber die Sonne blicken lassen.

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Besuch in der Krüger Bierbrauerei direkt neben dem Wohnheim (10.04.) Jetzt weiß ich wenigstens, was da nebenan so getrieben wird 🙂 Und zur Feier des Tages: Happy Birthday Dad 😛

Vorurteile schmelzen dahin…wie der Schnee

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Es gibt Dinge, die man nicht unbedingt erleben möchte wenn man sich weit entfernt der Heimat befindet. Dazu zählt zum Beispiel, von einem wilden sibirischen Bären auf dem Weg zur heimischen Holzhütte überrascht zu werden. Ich hoffe das war jetzt genug Ironie und ihr habt bemerkt, dass ich lediglich auf gewisse Vorurteile hinweisen wollte, die wir Mitteleuropäer gern mal gegenüber dem weiten Sibirien haben. In einer Dokumentation über nach Sibirien zurückgekehrte Russlanddeutsche bringt es ein älterer Herr auf den Punkt: „Der Westen denkt immer noch, wir leben hier wie Wilde.“

Doch neben den Ängsten vor Bären und bösen Mafiabossen, die einem in Deutschland ins Hirn geprügelt werden, gibt es noch eine Sache, die einem immer und immer wieder aufgetischt wird: „Werd bloß nicht krank! Die medizinischen Standards dort sind sicherlich totaaaaal schlecht. Wenn du dort krank wirst, kann dir niemand helfen und du musst elendig im kalten Schneesturm sterben.“ Ok, das war jetzt ein bisschen übertrieben, aber so ist es leider. Nur kann man sich nicht immer aussuchen wann der Körper streiken möchte. Ich vertrete mit fast schon übertriebener Überzeugung die Ansicht, dass es in solchen Dingen weiter hilft, wenn man positiv denkt und sich nicht so viele Gedanken um Krankheiten macht. Doch auch dafür war es ab Donnerstag leider zu spät:

Alles begann mit meinem mittlerweile verhassten „Science of Law“ Kurs. Ich war aus unterschiedlichen Gründen leicht angenervt: Ich hatte nichts gefrühstückt, der dozierende Lehrkörper redete etwa 35 Minuten in russischer Sprache unverständlichen Kram über das russische Strafrecht und dann war die Show auch schon wieder vorbei. 35 Minuten! Meine Güte und dafür quäle ich mich den 4. Tag in Folge so früh aus dem Bett! Danach ging es mit der Marschrutka zum Bahnhof, wo Tickets für unseren geplanten Ausflug nach Nowosibirsk (drittgrößte Stadt Russlands, größte Stadt Sibiriens, Reisezeitraum: 08.-10.03.) gekauft werden wollten. Mit den, wie Supermarktquittungen aussehenden, Tickets, ging es dann weiter in das Shopping-Center „Smile City“. Der Weg dorthin wurde zu Fuß zurück gelegt, was mir meine Lungen absolut nicht danken wollten. Bei jedem Atemzug ein fieser Schmerz und gelegentliches Husten waren die Folge. Nun sollten aber passende Klamotten für die nächste Party-Klub-Discothek-Whatever Veranstaltung ausgemacht werden. Für mich war die Suche eigentlich von Beginn an nicht erfolgsversprechend: Die russischen Mädels sind einfach zu dünn. Wahrscheinlich muss ich mal einen Übergrößenladen aufsuchen :-D. Aber auch die anderen Mädels wurden nicht fündig. Irgendwann ging es dann wieder nach Hause. Am Abend wollte ich unbedingt mit zum Lasertag spielen. Zum Einen um es mal zu testen, zum Anderen aber auch, um dem im Anmarsch befindlichen Lagerkoller vorzubeugen. Dieser Lasertag stellte sich aber als merkwürdige Sache heraus: Man rennt mit einer Laserpistole und einer leuchtenden Weste in einem dunklen Raum durch die Gegend und versucht, die Spieler der anderen Mannschaft zu treffen. Die Jungs fahren voll drauf ab. Aber ich stand häufig einfach nur in der Gegend herum und dachte „Wozu dieser Quatsch?“. Danach musste es natürlich noch ein Bier in der Krüger-Bar sein. Nach ungefähr 50 ml Bier, die sich durch meine Kehle den Weg in meinen Magen gebahnt hatten, war es dann soweit. Ich spürte es sofort: FIEBER! Im ersten Moment denkt man ja: Ich bilde mir das nur ein. Wahrscheinlich ist es einfach nur warm hier. Aber ich habe gefroren und regelrecht Schüttelfrost bekommen. Allein nach Hause wollte ich dann auch nicht, also hieß es warten, bis die anderen gehen wollten. Zu Hause angekommen zeigt das Thermometer dann tatsächlich eine ziemlich hohe Temperatur an. Gut, denkt man sich. Ab ins Bett und morgen ist es vorbei. Das hätte fast geklappt. Am nächsten Tag ging es mir wesentlich besser. Doch am Abend ging es wieder los. Fast 40 Fieber, ich konnte kaum noch klar denken, bin aufgewacht und dachte ich wäre zu Hause. Am Samstag morgen ging das Fieber dann nicht mehr runter und blieb bei um die 40 Grad. So unangenehm es war: „Es musste ein Arzt her, oder ich zu ihm.“ Alle Versuche, die werten Mitinsassen dieses Wohnheims nach ihren bereits gemachten Erfahrungen des russischen medizinischen Systems zu befragen, schlugen fehl (Samstag Morgen = Rausch von gestern Nacht ausschlafen. Dem Wodkagott sei Dank). Also wurde unsere Ansprechpartnerin vom International Office der Uni von meinen lieben „Mitdeutschen“ kontaktiert und sie rief dann die Ambulanz. Außerdem war Natascha, mein Buddy, zum dem Zeitpunkt schon hier und hat uns informiert, dass man am Wochenende nicht mal eben einfach so in Russland in ein Krankenhaus marschieren kann. Wenn es etwas ernsthaftes ist, dann ruft man die Ambulanz (entspricht bei uns dem Notarzt). In mir kamen Zweifel auf: „Ist es wirklich so schlimm, dass ich einen NOTARZT brauche?“ Aber gut, es war ja nichts zu machen, das Fieber war kaum auszuhalten. Es dauerte auch nur etwa eine Stunde bis der Herr dann in meinem Zimmerchen war. Ab da an fand ich alles einfach nur noch aufregend und regelrecht lustig: Er hatte einen grellorangen Arztkoffer dabei, indem sich eine Unzahl an Ampullen und Utensilien befand. Zuerst durfte ich mir ein antikes Quecksilberthermometer unter die Axel drücken (in dem Moment kam mir schon der Gedanke: Ob der das auch mal desinfiziert? Na egal), währenddessen fragte er mich über Natascha, die freundlicherweise Übersetzungsdienste leistete, was ich denn noch hätte außer Fieber, welche Medikamente ich bereits genommen hätte und so weiter. Er schaute mir mit Hilfe eines Holzstäbchen in den Rachen und ich durfte „AAAAhhhh“ sagen. „Sie müssen auf ihre Zähne aufpassen.“ Aha. Das ist aber gerade mein geringstes Problem, dachte ich. Vielleicht war er verwirrt ob der Tatsache, dass ich statt Goldfüllungen wie in Russland üblich, wie Kaugummi anmutendes Zeugs in meinen Zähnen habe. Nach dem kleinen Schreck durfte ich mich dann weiter nackig machen und er hörte meine Lunge ab. Was er dazu gesagt hat, konnte ich nicht verstehen. War vielleicht auch besser so. Sein Blick auf das Thermometer war dann aber echt der Hammer: Die Augen wurden auf einmal groß und sagten etwas aus im Sinne von „Nicht gut.“ Dann durfte ich mich noch weiter frei machen und bekam eine dicke Spritze verpasst, nach der ich angeblich super hätte schlafen sollen. Ich bin aber der Meinung, er hat mir irgendwas nervenstimulierendes gegeben, denn danach fand ich einfach alles nur noch lustig. Auf einem weißen Schmierzettel notierte er meine Medikamentenliste, schrieb sich meine Passnummer auf und zog von dannen. Ich hatte kurze Zeit tatsächlich überlegt, ihn nach einem gemeinsamen Foto zu fragen, aber das erschien mir in meiner Position als Kranke dann doch etwas zu dreist.

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Meine kleine russische Hausapotheke. Es fehlen drei Tees. Links: Das Rezept

Trotz der ausbleibenden schlafbringenden Wirkung der Spritze, ging es mir doch schon am gestrigen Abend sehr viel besser und das Fieber sank langsam. Das Antibiotikum zeigt also seine Wirkung und ihr seht: Sooooo schlecht, ist das System hier nicht. Das soll nicht heißen, dass ich hier ins Krankenhaus möchte oder so. Nein. Diese Erfahrung reicht mir für mein Leben. Aber ich glaube, dass unsere westlichen Vorstellungen von sibirisch russischer Medizin ein wenig zu unterirdisch sind. Und vor allem ist bei uns nicht immer alles so viel besser! Beispielsweise wollte der gute Herr keinen einzigen Rubel von mir haben. Verstanden habe ich das nicht, wo die Russen doch sonst immer so scharf auf Geld sind (Achtung: Vorurteil!).

Wer es bis hierher geschafft hat, darf sich nun noch über ein paar positive Nachrichten und Bilder freuen. Am letzten Wochenende waren wir Schlittschuhlaufen in einer überdachten Eishalle. Zuvor sind wir in den Schneesturm unseres Lebens geraten. Bilder folgen, sobald sie es zu mir geschafft haben.

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Sternenhimmel über Tomsk.

Ok, ihr habt´s gemerkt…Das ist die Decke in unserem Lift, der ziemlich häufig stecken bleibt. Wer genau hinsieht, erkennt auf welcher Etage wir uns zum Zeitpunkt der Aufnahme befanden und mit wem ich im Fahrstuhl war.

Außerdem war ich mit Lyne eines Abends am Fluss. Erst hier merkt man, dass man in Sibirien ist. PS: Den gelben Schnee sollte man wirklich weiträumig umgehen!

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Hier bin ich im Schnee eingesackt.
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Wer meine Fotos aus Kaliningrad kennt weiß: Die Russen lieben es kitschig. Und sie lieben diese Schlösser. Die hier hängen unweit von unserem Wohnheim entfernt, an einem Hochzeits-Pavillon. Im ersten Moment sah es so aus, als könnte man den nicht ohne Weiteres betreten. Doch voreilig wie ich bin, öffnete ich das Tor. Und was geschah? Ohrenbetäubender Lärm und ein Hochzeitswalzer nach dem anderen. Wir kamen gar nicht wieder aus dem Lachen heraus. Noch hunderte Meter weiter hörte man die Musik und das ging Minutenlang.

Foto 03.03.13 22 29 10Das ist unser Fluss 🙂 Glaubt ihr nicht? Doch! Links sieht man die Brücke.

Ach, und um noch einmal auf die Überschrift zurück zu kommen: Heute hatten wir Plusgrade. Der Schneefall ging in Regen über und es hat ordentlich getaut. Ab morgen soll es aber schon wieder anders aussehen.

Grüner Tee mit Jasmin und heiße Schokolade

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Angesichts der Tatsache, dass es nicht sehr einfach werden würde sich außerhalb der eigenen vier Kühlschrankwände vegan oder ohne Süßkram zu ernähren, habe ich mich beim Fasten für eine andere Variante entschieden: Keine Limonaden und sonstige kohlensäurehaltige Süßgetränke. Das ist machbar und wahrscheinlich auch noch gesundheitsförderlich. Da man hier überall Tee bekommt und ich diesen Grünen Tee mit Jasmin oder Zitrone wirklich klasse finde, wird es mir auch nicht schwer fallen. Das Fastenbrechen zelebriere ich dann am Jahrestag meines vierteljahrhundertsten Bestehens mit meiner Ma, meiner Patentante und einer hoffentlich zu mir findenden Vitacola.

Die Uni ist jetzt so richtig in Gange und die Stundenpläne sollten sich eigentlich nicht noch einmal verändern. Ich habe 4 mal in der Woche Russisch a 90 Minuten. Von Montags bis Mittwochs findet der Unterricht ab 8.30 Uhr statt, Dienstags haben wir eine Doppelstunde. Die drei weiteren Kurse die ich belege – Recht, Geschichte, Tourismus – sind bis auf den ersten sehr interessant. In Science of Law – Recht – haben wir einen Dozenten der ganz offensichtlich nicht gern Englisch redet. Vögelchen haben mir gezwitschert, dass er für den englischen Unterricht mehr Geld bekommt und ihn deshalb anbietet. Die meiste Zeit redet er aber auf Russisch, was für mich doch recht unangenehm ist, denn die anderen im Kurs (Dolmetscherei-Studentinnen) haben das wesentlich besser drauf als ich. Mal sehen wie lang ich es noch durchhalte in den Kurs zu gehen.

Letzte Woche haben wir eine kleine Tour zu Fuß durch die Stadt unternommen. Als wir wieder zurück waren war ich überzeugt, die ersten Eisverbrennungen meines Lebens an den Oberschenkeln zu haben. Es war nicht wirklich kalt (-15) aber der Wind und etwas Graupelzeugs von Oben haben das Spazieren nicht unbedingt angenehmer gemacht. So wie ich nun mal bin, lief ich die meiste Zeit motzend und jammernd den anderen hinterher. Wir dürften insgesamt so um die 6-7 km zurückgelegt haben. Ich erspare mir jetzt, euch das ganze auf der Karte zu zeigen, aber ein paar Fotos will ich euch nicht vorenthalten:

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Caro und die Schneemassen…

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Holzhäuser – typisch für Tomsk. 

Am Wochenende haben wir es eher ruhig zugehen lassen: Da meine Swatch (Armbanduhr) leider noch in Deutschland den Geist aufgegeben hat (genauer gesagt im Hauptbahnhof von Magdeburg) und ich das ständige aufs Handy gestarre nervig finde, habe ich mir eine neue Swatch (diese hier) gekauft. Es gibt hier sogar einen richtigen Swatch Laden. Ja ich gebe es zu, bei elektronischen Geräten bin ich ein Markenjunkie! 😀 Aber das musste einfach sein und jetzt fühle ich mich viel wohler 🙂

Nach der geplanten Geldverschwendung Investition, waren wir noch auf dem Turm des historischen Museum um den Ausblick auf die Stadt zu genießen. Es war wohl unser kältester Tag bisher hier in Tomsk – das Internetz meinte gefühlte -30 Grad. Aber der Ausblick entschädigt:

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Blick auf einen Teil der Stadt, in dem viele Holzhütten zu finden sind. Angeblich werden diese zum Teil von findigen Unternehmern in Brand gesteckt um dort neue Gebäude zu bauen. Diese Information zwitscherten mir unterschiedliche Quellen zu, da es gestern ein Haus vor unserem Wohnheim erwischt hatte.
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Die weiße Fläche ist der zugefrorene und zugeschneite Fluss Tom. Die Straße links führt um den Leninplatz mit der Lenin-Statue.

Danach waren wir noch in einem ziemlich coolen Cafe mit dem tollen Namen „Travelers Coffee“, in dem ich meine geliebte heiße Schokolade essen konnte. Ja genau, wenn man hier heiße Schokolade bestellt bekommt man eine Tasse mit…heißer Couvertüre, die man dann mit einem Teelöffel isst. Der Laden muss auf jeden Fall noch einmal besucht werden um die Kuchenkreationen zu kosten probieren. Nach der Aufwärmphase ging es dann ins „Kinomir“. Dort trafen wir uns mit ein paar anderen Mädels um einen richtig schnulzigen Weiberfilm zu schauen – auf Russisch natürlich! Und man hat sogar sehr viel verstanden. Wer sich traut, guckt den Trailer, ich war auch so nett ihn euch auf deutsch einzustellen 😉

Der Kinobesuch hat nur ungefähr 4 Euro gekostet und es gab sogar Nachos und buntes sowie salziges Popcorn. Nach dem Kino haben wir noch „Durak“ gespielt – ein typisch russisches Kartenspiel bei dem niemand gewinnen kann, aber einer verliert 🙂 Gestern war dann noch eine Willkommensparty vom „Buddy Building Club“ im Zentrum für Internationale Studierende. Da gab´s dann absolut unterirdische Social Games – Spiele, bei denen man sich besser kennenlernen soll.

Weil ich schon mehrfach gefragt wurde: Nein, von dem Meteoritenabsturz haben wir hier in Tomsk nichts mitbekommen. Der Ural liegt einige Kilometer weiter westlich von uns.

Und zum Schluss noch neue kulinarische Errungenschaften: Tofu (sehr lecker und relativ günstig), Okara (Sojaüberbleibsel nach der Sojamilchproduktion. In Deutschland noch nie gesehen.), Pizzaaaaa :-D, Agar Agar (veganes Geliermittel), Zimtstangen und vieles mehr. Aber Blini schmecken trotz unveganem Ei und Tworog immer noch am besten….

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Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene in Tomsk und Umgebung – Teil 1

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Eigentlich ist es noch nicht wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag – ich will euch ja nicht zu sehr mit neuen Berichten befeuern…nachher fällt mir nichts mehr ein 😀 – aber es gibt ein paar kleine Dinge, die festgehalten werden können. (Wie Walter Moers Fans wissen sollten, handelt es sich bei dem Titel um eine leicht modifizierte Variante des Lexikons von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller über die Eigenarten Zamoniens.)

Treppe, Die ist ein architektonisch gekonnt an den richtigen Ort platziertes Ding, welches es dem Nutzer erleichtern soll Höhenunterschiede gekonnt zu passieren. Ich weiß nicht wie man in Deutschland eine Treppe baut und ich wäre dankbar für Rückmeldungen von Leuten, die sich damit auskennen…denn was jetzt folgt wird hart für euch sein: Benutze niemals eine dieser Treppen, ohne die Augen und den Verstand zu benutzen und bei vollem Bewusstsein für deine Aktion – Treppe bewältigen – zu sein. Problem: Keine Stufe ist so hoch wie die andere. Vielleicht hört sich das extremer an als es ist, natürlich gibt es keine 1 Meter hohen Stufen gefolgt von 2 cm Hohen. Es ist eher so, dass bei 10 Stufen die erste 5 cm hoch sein kann, dann sind 6 Stufen 20 cm hoch, dann ist eine 30 cm hoch, dann wieder eine 20 und die letzte vielleicht 30, vielleicht 8 cm. Wir bewegen uns also in einem gewissen Rahmen, aber es ist wirklich Vorsicht gefragt ;-).

Schneknaaaatsch, Der ist das eklige Geräusch, aber auch Gefühl, das bei -10 bis -25 Grad durch den Gang mit niedrig- bis hochhackigen Schuhen auf festgefrorenem Schnee-Eis-Boden entsteht. Sowohl wenn jemand in meiner Nähe läuft und diese Geräusche verursacht, als auch wenn ich selbst diese Geräuschkulisse produziere, bekomme ich Hummeltitten/Erpelpelle/Gänsehaut vom Feinsten. Mal sehen wie lang es dauert, bis ich mich daran gewöhnt habe… Bisher mag ich meine schwarzen Stiefel allerdings nur ungern tragen weil ich das Gefühl und Geräusch wirklich verstörend finde.

Taschentuch, Das ist ein in der Regel viereckiges Stoff- oder Papiertuch, welches zum Auffangen von aus der Nase gepresster Körperflüssigkeit genutzt wird. Klingt eklig…mag vielleicht auch so sein. Doch hier benutzt niemand diese Taschentücher. Es ist eine kleine Knobelaufgabe sie in den Supermärkten überhaupt zu finden. Hat man sie dann ergattert, überkommt einen doch ein sehr seltsames Gefühl wenn man sie in der Öffentlichkeit benutzen möchte, denn: Das ist „verpönt“. Vielleicht ist das nicht ganz das richtige Wort, aber man nutzt sie eben einfach nicht. Ich habe aber leider das Problem, dass mir sobald ich aus der Tür gehe die Nase läuft und sobald ich dann in ein warmes Gebäude komme alles nur noch schlimmer wird. Bisher ist mir noch nicht aufgegangen, wie die Einheimischen das anstellen.

Vegan in Sibierien – Die positive Überraschung

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Nach nunmehr fast 10 Tagen kann ich sagen: Alle Befürchtungen betreffend meiner Ernährung hier in Tomsk konnten widerlegt werden. Neben frischem Obst und Gemüse – darunter sehr leckere Granatäpfel – konnte ich bereits Sojafleisch in verschiedenen Arten, Sojamilch und Tofu kaufen. Die Sojamilch (von Alpro) ist nur in einem besonderen Laden erhältlich und (Edit:12.02.: Habe heute Sojamilch in einem Minisupermarkt entdeckt. Auch von Alpro aber etwa 1/4 billiger als in dem Gesundheitsladen) kostet ungefähr doppelt so viel wie in Deutschland. Das Sojafleisch hingegen ist sehr günstig und auch in dem großen Smile-City Supermarkt zu bekommen. Der Tofu liegt immer bei den eingelegten Salaten und wird auch als Tofusalat bezeichnet. Für 100g zahlt man ungefähr 75 Cent, was super günstig ist. Da ich aber nicht so der Tofujunkie bin, werde ich mir das Zeug eher selten kaufen.

Ganz vegan ernähre ich mich hier aber natürlich nicht, das wäre kaum durchzuhalten. In Blinis ist Ei, genauso wie in Warniki wahrscheinlich Milch ist (muss ich mal in Erfahrung bringen. Edit 12.02.: Keine Milch, aber Ei). Allerdings kaufe ich genauso wie zu Hause keine Milchprodukte wie Milch, Joghurt, Fertigpudding etc. Im Grunde fühle ich mich mit diesem Kompromiss ganz gut. Außer dem serbischen Käse (ähnlich wie Feta) kommt mir auch kein Käse in den Kühlschrank. Eine weitere Ausnahme ist die Smetana – eine Art saure Sahne die man auf Wareniki und Blini tut.

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Viel mehr Probleme haben meine fleischessenden Genossinnen hier, die sich nicht so richtig an die Fleischtheken trauen bzw. keine 6 Euro für eine Wurst ausgeben wollen. Angesichts der Fleischtheke im Zentralen Marktgebäude, welches wir gestern gefunden und entdeckt haben, bin ich aber wirklich glücklich, dass mich niemand mehr penetrant zum Fleischessen bewegen will :-D. Oder anders: Ich bin froh, das nicht essen zu müssen. Es war schon ein komisches Gefühl durch diese Halle zu laufen. Vor allem das Geräusch der Axt auf den Holzklotz, als ein Mann ein halbes Schwein auseinandernahm. Ich hoffe die Atmosphäre kommt auf dem Foto einigermaßen an.

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Neben Fleisch gab es aber auch Gewürze auf dem Markt.

Leider konnte man nur wenig Obst und Gemüse kaufen. Dafür aber umso mehr Klamotten auf dem großen Platz vor der Markthalle. Hier stehen die Verkäufer den ganzen Tag in der Kälte und versuchen ihre Waren los zu werden. Lyne hat es gut zusammengefasst: „Bei der Kälte hätte ich nicht mal Lust irgendwas davon anzuprobieren…“. Der einzige Vorteil: Die Sachen dort sind schon wesentlich billiger als in den eher westlichen Läden 200 Meter weiter auf dem Leninprospekt. Es liegen zwei Welten zwischen dem schnellen und modernen Prospekt Lenina und dem nur einen Katzensprung entfernten Zentralmarkt. Dies mag auch erklären, warum uns bisher keiner der russischen Studenten sagen konnte wo der Markt ist. Sie kennen ihn wahrscheinlich gar nicht und gehen lieber in die vielen Supermärkte und kleinen Tante-Emma-Läden.

Über die Univeranstaltungen gibt es noch nicht allzu viel zu berichten, da die erste Woche doch eher eine Einführungsaktion war. Ab nächste Woche habe ich noch ein Seminar mehr: Tourismus. Das ist auch das Einzige, wo ich unbedingt eine Note und 6 ECTS (Creditpoints. Einer entspricht normalerweise 25 Stunden Arbeitsaufwand.) benötige. Der Russischunterricht ist bisher echt gut, aber auch anstrengend.

Wer es bis hierher geschafft hat kann mir bitte bitte noch bei der Entscheidung helfen, wodurch ich mein Facebookfasten dieses Jahr ersetzen kann. Auf Facebook möchte ich dieses Jahr nicht verzichten, weil mich das sowohl von vielen Leuten in Deutschland, als auch von den ganzen Leuten hier abschneiden würde. Meine Ideen: Keine Süßigkeiten (inkl. süße Blini und Wareniki & süße Getränke) oder absolut vegan (sollte machbar sein). Bitte helft mir bei der Entscheidungsfindung 🙂 Ab dem 13. Februar – Aschermittwoch – beginnt die Fastenzeit.