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Kurzmitteilung
Eine Menge ist passiert seit dem mich sowohl die letzten deutschen Kommilitonen, als auch Pavel + Co. in Tomsk zurückgelassen haben. Ich habe viel für meine Masterarbeit geschafft, aber auch einige interessante Dinge erlebt. Beides ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass ich sehr viel Zeit habe, diese aber nur so selten wie möglich im Wohnheim verbringen möchte. Denn: Das liebe Geld hat mich dazu getrieben in ein Doppelzimmer umzuziehen. Der Altmärker würde dazu sicherlich sagen: Hasste jut jemacht mijn Mädel. Ich sehe das genauso, allerdings ist die kommunikative Ausbeute des ganzen eher gering, was zu einer eher miesen Stimmung führt. Ja, es könnte alles so schön sein. Die Situation trägt nicht unbedingt zur Völkerverständigung bei (das zweite Bett in meinem Zimmer ist NICHT von einer Russin belegt, nur um gleich mal alle negativen Gedanken in diese Richtung zu verhindern).
Schnee im Juli? – Pollen, Pollen, Pollen. Überall! So schön es auch aussieht, ich bin froh dass es mittlerweile geregnet hat.

Aber nun gut. Man kann sich daran erquicken oder daran zugrunde gehen wie man will: Ich habe Hobbys und Freunde. Das ist gut, denn das schützt mich davor die Situation unnötig überzuinterpretieren wie ich es gern tue. Was habe ich also erlebt in den letzten 10 Tagen. Zuerst einmal habe ich Rieke (die letzte Deutsche) zum Flughafen gebracht. Der Rückweg verlief nach kurzer Diskussion ob wir den Bus oder ein Taxi nehmen sollen in etwa so:

Caro läuft zum ersten Taxi. Taxifahrer sitzt im Taxi.

Caro: Sind sie frei? – Antwort: Ja

Caro: Was kostet die Fahrt nach Tomsk? – 600 Rubel (15 Euro)

Caro dreht sich weg und geht zum nächsten Taxi…

Caro: Sind sie frei? – Ja – Was kostet die Fahrt nach Tomsk? – 600 Rubel – Zu teuer!

Caro geht zum nächsten Taxi.

Caro: Sind sie frei? – Nein.

Caro geht – langsam etwas verzweifelt – zum nächsten Taxi…

Caro: Sind sie frei? – Ja. – Was kostet die Fahrt nach Tomsk? – 600 Rubel – Zu teuer!

Caro dreht sich um und will gerade drei Schritte gehen, da hört sie den

Taxifahrer: 500 Rubel!!! –

Caro: Nein! Zu teuer.

Taxifahrer: Was denken sie denn? Machen sie einen Preisvorschlag!

Caro: 400 Rubel.

Taxifahrer: Ach habt euch nicht so. Steigt ein. Sagt 500 und gut. Los los.

Caro: Es kostet immer 400 Rubel. Wir sind keine Touristen!

Taxifahrer: Aber ihr habt doch noch Gepäck dabei. Dann sind 500 Rubel ok.

Caro: Wir haben kein Gepäck. Wir sind keine Touristen. 400 Rubel!

Taxifahrer: Los, steigt ein.

Caro: 400 Rubel?

Taxifahrer: Ja, gut. Ok.

Wir steigen ein und er war sogar nett und ein bisschen gesprächig. Und das um 6 Uhr morgens 😀

Mein Verhandlungsgeschick wird hier also auf eine harte Probe gestellt. Aber wenn man weiß wie viel der Spaß normalerweise kostet lässt man sich ja nicht mehr so übers Ohr hauen. Vor allem wenn man für den Bus nur 15 Rubel (33 Cent) bezahlt hätte (Ich hatte keine Lust um die frühe Uhrzeit mit meiner Begleitung über die Wahl unseres Verkehrsmittels zu diskutieren. Allein hätte ich wohl den Bus genommen.)

Gestern war der 07.07.2013. Vor genau 6 Jahren habe ich mein Abizeugnis übergeben bekommen. Erschreckend, wie schnell die Zeit vergeht. Aber es gibt auch noch von aktuellen Ereignissen zu berichten:

1) Am Lagernij sad (Garten) war ein Jazz Picnic. Am Samstag Abend war ich mangels williger Begleitpersonen allein für 2 Stunden dort und lauschte der Livemusik vor grandioser Kulisse. Am Sonntag traf ich mich dann dort mit einer russischen Studentin aus dem Buddy Building Club. Sie war mit einigen Freunden da. Also hatte ich mal wieder Kontakt zu neuen Leuten.
Konzert am Lagernij sad am Samstag Abend.

2) Am Sonntag fand im Deutsch-Russischen Haus ein kurzes Meeting von Russlanddeutschen Vereinigungen der Region Tomsk und offiziellen Angehörigen der Gebiets- und Stadtadministration mit dem Beauftragten des Bundestages für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Herrn Dr. Christoph Bergner statt. Der ehemalige Ministerpräsident meines schönen Heimatbundeslandes fand also den Weg nach Tomsk. Ich erfuhr eher zufällig davon, war dann aber sehr glücklich über die Abwechslung und habe mich sogar kurz mit ihm unterhalten. Er hat mir versprochen Grüße an die Altmark auszurichten. Von der inhaltlichen Seite war das Treffen eher mager. Die Russen haben meiner Meinung nach einen Hang dafür das ganze formell zu gestalten und unnötig aufzubauschen, so dass am Ende kaum Zeit für die wichtigen Fragen bleibt. Das Russisch-Deutsche-Haus wird mich aber noch ein paar Mal zu Gesicht bekommen. Ich hoffe sehr, dass man demnächst mal eine Homepage einrichtet und alle dort stattfindenden Termine zentral listet.

3) Der 07.07. ist Iwan-Kupala-Tag. An diesem Tag bespritzen sich alle mehr oder weniger sinnlos mit Wasser. Warum genau, kann einem hier niemand erklären. Es hat irgendwas mit der Sommersonnenwende zu tun (hier gibts mehr Infos auf russisch). Jedenfalls hatte ich im Vorfeld einiges darüber gehört und war bei meinem Rückweg vom Jazz Konzert gegen 22 Uhr schon etwas traurig, von der Wasserplanscherei gar nichts gesehen zu haben. Und da geschah es: Ich wartete an einer Kreuzung auf das grüne Ampelzeichen und schwups, wurde ich aus einem vorbeifahrenden Auto mittels Wasserpistole nass gespritzt. Ich muss echt blöd geguckt haben, denn ich habe mich wirklich gefreut, dass es doch noch passiert ist. In Deutschland würde man sich wahrscheinlich das Kennzeichen merken und die Polizei rufen… Danach sah ich noch mehrere Autos aus denen Leute mit Wasserpistolen auf Fußgänger gefeuert haben. Bei dem tollen Wetter war das wirklich angenehm!

 

Алле зинд вэк… – Alle sind weg…